Ende September war ich wieder in Berlin, zum German Indian Innovation Summit 2026, der am 29. September im AXICA stattfand, einen Steinwurf vom Brandenburger Tor entfernt. Wer Zeit in diesem Teil der Stadt verbracht hat, kennt den Weg. Auf der einen Seite der Pariser Platz, die Botschaften gleich nebenan, Touristen, die dasselbe Foto machen, das man dort seit dreißig Jahren macht. Ich bin diesen Weg öfter gegangen, als ich zählen kann, meist zu einem Treffen, bei dem sich Deutschland und Indien sehr herzlich einig waren, dass die Beziehung enormes Potenzial habe.
Diesmal fühlte sich der Saal anders an. Ich will versuchen zu erklären, warum, und dabei auch ehrlich sein, was ein Gipfel leisten kann und was nicht. Zuerst aber ein Wort über den Mann, der ihn möglich gemacht hat.
Das Werk eines Freundes
Veranstaltet wird der Summit vom German Indian Innovation Corridor, GIIC, einem in Berlin eingetragenen Verein, der Unternehmen, Startups, Investoren, Universitäten und öffentliche Institutionen aus beiden Ländern zusammenbringt. Jan Lachenmayer leitet seinen Vorstand. Upen Barve, der stellvertretende Vorsitzende, ist ein enger Freund von mir, und diese Befangenheit will ich gleich vorweg offenlegen.
Upen ist die treibende Kraft hinter alledem. Wer je versucht hat, dreihundert hochrangige Leute aus zwei sehr unterschiedlichen Geschäftskulturen in einen Raum zu bringen, mit einer Agenda, die etwas bedeutet, weiß, wie viel hartnäckige Arbeit hinter einer glänzenden Bühne steckt. Man muss Sponsoren überzeugen, Rednern nachlaufen, Egos pflegen, und die Deutschen wie die Inder davon überzeugen, dass die andere Seite tatsächlich kommt. Dies war die zweite Ausgabe. Die erste, 2025, zog ein ähnliches Publikum an, und das zweite Jahr ist immer das schwierigere, weil der Reiz des Neuen verflogen ist und die Leute nur kommen, wenn sich das erste Mal gelohnt hat.
Auf der Bühne sagte Upen: Vertrauen ist die gemeinsame Währung eines Innovationskorridors. Ein solcher Satz landet leicht auf einem Banner und bedeutet dann nichts. Aus seinem Mund, das weiß ich, beschreibt er schlicht, wie er arbeitet. Ich wünsche ihm für alles, was nun kommt, viel Erfolg, und ich vermute, da kommt noch einiges.
Was im Saal geschah
Das Thema lautete „AI for Industries“, mit Schwerpunkten zu Fertigung, Mobilität, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung sowie Gesundheit, und einer Rednerliste, die von Harish Salve über Pankaj Vyas von Siemens Technology and Services und Sunil Kakkar von Maruti Suzuki bis zu Norbert Jung von Bosch Connected Industry reichte. Reden sind aber Reden. Mehr interessierte mich, was noch da sein wird, wenn die Stühle weggeräumt sind.
Der India Desk Germany, betrieben vom GIIC gemeinsam mit Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie und NLND, soll indischen Startups und Unternehmen eine Anlaufstelle in Berlin bieten und über Berlin den Zugang zum europäischen Markt. Es ist ein bescheidenes Instrument. Es ist aber genau das, was eine kleine indische Firma braucht und selten findet: jemanden, der ihr sagt, zu welchem Amt sie gehen, welches Formular sie ausfüllen muss und welcher deutsche Partner es ernst meint.
Eine Partnerschaft mit NASSCOM soll deutsche Unternehmen mit Indiens Modell der Global Capability Centres verbinden, nach dem SAP, Siemens und Bosch bereits große IT- und F&E-Einheiten in Indien betreiben. Die großen deutschen Namen haben das längst verstanden. Die interessante Frage ist, ob sich der Mittelstand mit seiner deutlich geringeren Abenteuerlust überzeugen lässt, ihnen zu folgen. Wenn ja, kommen dort die wirklichen Zahlen her.
Und das BMZ kündigte eine GIZ GIIC Innovation Challenge zum öffentlichen Nahverkehr in Gurugram an, mit Schwerpunkt auf Inklusion und der Sicherheit von Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer in einer indischen Stadt nach Einbruch der Dunkelheit öffentliche Verkehrsmittel benutzt hat, versteht, warum das wichtig ist. Mittel und Einzelheiten sollen noch bekanntgegeben werden, ein Urteil über den Umfang behalte ich mir also vor.
Was der Skeptiker sagt und was er auslässt
Zuerst gebe ich dem Skeptiker, was ihm zusteht, denn er hat nicht unrecht.
Solange ich mit Deutschland zu tun habe, gilt die Wirtschaftsbeziehung zu Indien als hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben. Germany Trade & Invest beziffert den bilateralen Handel 2025 auf Grundlage vorläufiger Zahlen des Statistischen Bundesamts auf einen Rekordwert von rund 35 Milliarden US-Dollar. Doch unter Deutschlands Exportmärkten liegt Indien nur auf Platz 21. Die deutschen Investitionen in Indien liegen, je nachdem, wessen Zählung man traut, irgendwo zwischen 15 Milliarden US-Dollar seit 2000 und einem Bestand von etwa 18 Milliarden Euro. Für das bevölkerungsreichste Land der Welt und die größte Volkswirtschaft Europas ist das nicht viel. Seit zwanzig Jahren feiern Gipfel in Berlin das Potenzial, und das Potenzial ist weitgehend Potenzial geblieben.
Das alles stimmt. Was dabei übersehen wird, ist die Richtung.
2025 traten die deutschen Exporte nach Indien praktisch auf der Stelle, während die deutschen Importe aus Indien um etwa 12,5 Prozent stiegen und die Importe indischer Maschinen um fast ein Viertel. Indien ist nicht mehr nur Käufer deutscher Maschinen. Es beginnt, Maschinen zurückzuverkaufen.
Auch das politische Gerüst ist schnell gewachsen. Bundeskanzler Merz reiste im Januar zum ersten Mal als Kanzler nach Indien, mit einer Delegation deutscher Vorstandschefs. Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU wurde im selben Monat abgeschlossen und soll Berichten zufolge am 16. Dezember unterzeichnet werden. Berlin hob 2024 das jährliche Kontingent für Fachkräftevisa für Inder von 20.000 auf 90.000 an. Und nach Zahlen des DAAD waren im Wintersemester 2025/26 69.816 indische Studierende in Deutschland eingeschrieben, die größte internationale Gruppe im Land. Siebzigtausend junge Inder, die deutsche Ingenieurskunst und, unvermeidlich, deutsche Bürokratie kennenlernen, sind auf lange Sicht ein größerer Gewinn als jeder einzelne Vertrag. Manche werden bleiben. Viele werden zurückkehren und die nächsten dreißig Jahre die natürlichsten Mittler zwischen beiden Volkswirtschaften sein.
Fairness gilt in beide Richtungen
Deutschlands alte Reflexe, darunter die restriktive Exportkontrolle, lockern sich erkennbar. Zu Project 75(I), dem Programm für sechs U-Boote mit TKMS und Mazagon Dock, sagte Botschafter Jasper Wieck im September, Deutschland sei bereit zu unterschreiben, sobald die indische Seite so weit sei. Das ist eine bemerkenswerte Aussage aus einem Land, über das man sich in Delhi vor nicht allzu langer Zeit beklagte, weil es auf der Bremse stand. Wenn dieser Vertrag wartet, dann wartet er in Delhi. Indische Genehmigungen können langsam sein, Regeln können sich ohne Vorwarnung ändern, und deutsche Firmen sind von Natur aus vorsichtig. Diese Vorsicht wird man ihnen nicht ausreden, man kann ihnen nur Fall für Fall zeigen, dass das Risiko beherrschbar ist.
Die deutsche Seite hat ihre eigenen Hausaufgaben. Visatermine, die Anerkennung von Qualifikationen, die schiere Last an Papierkram bei der Einstellung eines ausländischen Ingenieurs. Ein Visakontingent von 90.000 bedeutet wenig, wenn die Konsulate die Anträge nicht in angemessener Zeit bearbeiten können.
Was sich abzeichnet
Deutschland braucht Indien heute mehr als vor zehn Jahren. Sein altes Modell, billige russische Energie, ein riesiger chinesischer Markt und eine amerikanische Sicherheitsgarantie, die man für selbstverständlich hielt, ist in bemerkenswert kurzer Zeit zerbrochen. Indien ist für nichts davon ein Ersatz. Aber es ist einer der wenigen großen Partner, die zur Wahl stehen, der wächst, demokratisch ist und nicht danach strebt, die deutsche Industrie zu beherrschen.
Das Freihandelsabkommen wird helfen, aber Handelsabkommen öffnen Türen. Hindurch führen sie niemanden. Das erledigen Menschen: diejenigen, die Leute miteinander bekannt machen, die erklären, warum der indische Partner seit drei Wochen nicht geantwortet hat oder warum der deutsche alles schriftlich haben will. Es ist unspektakuläre Arbeit, und genau dort beweisen Organisationen wie der GIIC ihren Wert.
Der Test für den nächsten Summit ist einfach. Nicht, wie viele Leute gekommen sind, sondern ob einige von denen, die sich in diesem Jahr im AXICA begegnet sind, miteinander Geschäfte machen, wenn der nächste ansteht.
Ich würde darauf wetten, dass Upen dafür sorgt, dass es ein paar sind.
Dies ist eine kürzere Fassung des Beitrags. Die vollständige Fassung steht (auf Englisch) auf iyersellmer.com.
Quellen: GIIC und seine Pressemitteilung vom Oktober 2026; Germany Trade & Invest (vorläufige Destatis-Daten); Berichterstattung über den Indienbesuch von Bundeskanzler Merz im Januar 2026; The Hindu zum Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU; The PIE News unter Berufung auf DAAD India; The Week zu Project 75(I).


